Pfarrer Robin Braun im Interview

Die Vakanz in unserer Pfarrei hat ein Ende. Gott sei Dank! Pfarrer Robin Braun ist seit dem 1. März 2017 als neuer Pfarrer in unserer Gemeinde im Einsatz. Simone Bäcker vom Redaktionsteam des Gemeindebriefes traf sich mit ihm zu einem offenen und netten Gespräch.

Stellen Sie sich bitte kurz vor?

Mein Name ist Robin Braun, ich bin 31 Jahr alt und sehr froh hier zu sein. Erstaunt hat mich, wie gut sich die Gemeinde in der Vakanz geschlagen hat. Mein Eindruck wurde durch den Blick auf die Homepage bestätigt. Ich hatte das Gefühl, wenn die Gemeinde das alles selbst gesteuert hat, hat sie das richtig gut gemacht. Ich freue mich auf Gespräche und darauf die Menschen zu besuchen. Hausbesuche habe ich bisher als etwas sehr Schönes und Besonderes empfunden. Ich freue mich auf die Anfragen, die durch die Kasualien (Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen) auf mich zu kommen. Bei Kasualgesprächen (z.B. Trauergesprächen) kann man viel geben und bekommt viel zurück. Mich motiviert, dass so viele in der Gemeinde engagiert sind. Mir ist wichtig, dass die Menschen erfahren, dass ihr Engagement gesehen wird und ich dankbar dafür bin. Die Gottesdienste sind mir sehr wichtig. Gemeinsam mit dem Presbyterium Gottesdienst zu feiern und die Gemeinde mit ins Boot zu nehmen. Ich bin jetzt einfach mal hier und offen für alles. Hier, um zu schauen, was ansteht und wie man es zukünftig gemeinsam gestalten kann. Es wird Neues geben, aber man soll auch Altbewährtes erhalten. Ein biblisches Motto passt dazu sehr gut: „Prüft alles, aber das Gute behaltet.“ Es ist gut alles zu hinterfragen, aber es ist nicht notwendig jede neue Idee umzusetzen. Wir sind gemeinsam auf dem Weg.

Wo und wie haben Sie ihre Kindheit und Jugend verbracht?

Geboren bin ich in Bad Kreuznach. Dort habe ich bis 1994 gewohnt. Dann sind wir in ein rheinhessisches Dorf in die Nähe gezogen. Eine kirchliche Bindung hatte ich in meiner Kindheit nicht. Mein Vater war aber der Impulsgeber zur Konfirmation. Meine beruflichen Ziele waren Übersetzer oder Designer. Nach dem Abitur sind wir nach Pisa, in Italien ausgewandert. Dort hatte ich mich für ein Übersetzerstudium eingeschrieben. Italien gefiel uns und gefällt uns immer noch, aber die Heimatverbundenheit war stärker als gedacht. So sind wir wieder zurück nach Deutschland. Nach ein paar Monaten der Neuorientierung habe ich im Sommersemester 2005 mein Studium an der theologischen Fakultät in Mainz begonnen. Bis zum Sommer 2014 habe ich dort studiert und mein erstes theologisches Examen gemacht. Ich hatte nie ausgeschlossen, woanders hinzugehen. In Mainz hatte ich aber immer das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Ich hatte gute Kontakte zu den Studierenden und den Professoren. Man hat hier einen sehr nahen, unmittelbaren Kontakt zu den Professoren. Die Fakultät ist sehr lebendig. Mainz ist eine offene und bodenständige Stadt. Zum Vikariat ging ich dann nach Edenkoben.

Wann und wie entstand der Wunsch, Pfarrer zu werden?

Im Nachhinein war es ein Prozess. Den einen Zeitpunkt, wo klar war: „Ich will Pfarrer werden!“, kann ich nicht ausmachen. Seit meiner Konfirmandenzeit war das Interesse an diesem Beruf geweckt und wurde immer stärker. Meine Entscheidung Theologie zu studieren und Pfarrer zu werden, habe ich nie bereut. Einen anderen Beruf kann ich mir nicht vorstellen.

Was wollten Sie als Kind werden?

Autodesigner. Von meinem Opa (gelernter Automechaniker) und durch meine Familie habe ich Benzin im Blut und die Leidenschaft für Autos. Mich interessiert weniger die Technik, sondern mehr die optische Seite. Ich habe schon immer gerne gezeichnet und bin ein kleiner Detailfreak.

Welche drei Eigenschaften weist eine Person auf, die das exakte Gegenteil von ihnen ist?

Verschlossen. Nicht von der Art her, eher im Sinne „offen für Neues“. Die Person hat absolut gar kein Interesse an Sport und ernährt sich total ungesund. Ernährung ist ein wichtiges Thema für mich. Ich koche gerne selbst und gehe gerne einkaufen. Unter Strom. So bin ich nicht. Mir wurde gesagt, dass ich ein ruhiges Gefühl vermittle. Ich brauche keinen besonderen Auftritt.

Wie schreitet der Umzug voran?

Schritt für Schritt. Bis Ende März pendele ich noch. Ab April möchte mich hier ganz eingerichtet haben. Der Hauptumzug ist für den 31. März geplant. Wichtig ist mir, dass mein Arbeitsbereich mehr oder weniger vollständig eingerichtet ist. Mir war es wichtig, einen Rahmen für Gespräche zu haben. So habe ich einen Tisch und drei Stühle aufgestellt. Die Leute sollen wissen: „Das Pfarramt ist ein Ort, da kann ich hinkommen.“

Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Eine fundierte Gottesdienstvorbereitung ist mir sehr wichtig, mit Schwerpunkt auf der Predigt. Aber auch die Koordination der Beteiligung der Presbyter und anderer am Gottesdienst. Die Arbeit mit den Konfirmanden ist ein weiterer Schwerpunkt. Ganz wesentlich ist für mich die Seelsorge. Gespräche im Pfarrhaus, aber auch Besuche bei den Menschen daheim, zu Geburtstagen oder Hochzeitsjubiläen. Auch gerade mit denen, die nicht zur Kerngemeinde gehören, wünsche ich mir eine offene Begegnung. Nahe bei den Menschen sein, präsent sein, gerne auch bei Veranstaltungen in den Ortsgemeinden, das ist mir wichtig. Die Leute sollen merken: „Unser Pfarrer interessiert sich für uns.“

Worauf legen Sie Wert bei ihrer Arbeit?

Mit den anderen klar zu kommen. Mit den Pfarrkollegen und der Gemeinde. Auf ein wertschätzendes Miteinander, eine gute Zusammenarbeit, das Wissen, man verfolgt ein gemeinsames Ziel. Eine gute Organisation ist ganz wichtig für mich. Platz, wo ich mich organisieren kann, ein großes Whiteboard. Wer schreibt, der bleibt. Wenn ich etwas aufgeschrieben habe, habe ich es auf dem Schirm.

Was ist für Sie Glaube?

Nicht immer Gegenstand meines Alltags, aber etwas, das im Mittelpunkt meines Lebens steht. Das in Krisensituationen für einen Perspektivwechsel gut ist. Das mir aufzeigt, dass ich nicht alleine dastehe. Dass Gott nicht dafür da ist, Krisen zu vermeiden, aber der Glaube mir die Kraft gibt, von den Schwierigkeiten meines Lebens wegzukommen. Glaube ist immer Bewegung. Der Glaube meiner Jungend ist mit dem Glauben im Hier und Jetzt nicht mehr vergleichbar. Glaube kann auf die Großwetterlagen und gesellschaftliche Situation reagieren. Glaube verbindet. Was ist für Sie Gemeinde? Gemeinde hat zwei Ebenen für mich. Zum einen ist da die institutionelle Ebene, die sich konkret umfassen lässt. Es gibt die Gemeinde der weltweiten Christenheit. Dann, auf unsere Gemeinde bezogen, das sich Auseinandersetzen miteinander. Ein neuer Pfarrer kommt. Vielleicht finden dadurch neue Menschen Anschluss an die Gemeinde. Erwartungen werden aber auf der anderen Seite womöglich nicht erfüllt. Gemeinde ist, genau wie Glaube, etwas dynamisches, immer in Bewegung. Gemeinde ist der Ort, wo jeder das einbringen darf, was er am besten kann. Mit den Gaben, die ihm gegeben sind.

Haben Sie ihre Gemeinde schon ein bisschen kennen gelernt?

Das ergibt sich schrittweise. Einen großen Teil des Presbyteriums habe ich in den Gottesdiensten bereits kennen gelernt, die Konfirmanden und Mitarbeiter auf der Konfirmandenfreizeit. Zwei Paaren habe ich zur Diamantenen Hochzeit gratuliert. Dort sind mir auch der Verbandsbürgermeister und der Erste Kreisbeigeordnete begegnet. Es gab erste kleine Gespräche und Zeichen des Willkommen-Seins. Erste Begegnungen, die mir das Gefühl des Angenommen-Seins gaben.

Wie wollen Sie das Vertrauen zu den Menschen in der Gemeinde aufbauen?

Ich möchte ich sein. Offen auf Menschen zugehen. Offen Auskunft geben. Ich möchte wissen, woran ich bin. Dinge kommunizieren, die mir bei meiner Arbeit wichtig sind. Aber auch Rückfragen aufnehmen. Auch die Menschen mit kritischen Anfragen sollen das Gefühl haben, dass ihre Fragen bei mir Raum haben dürfen und haben sollen. Dass sie mit ihren Fragen und Zweifeln bei mir willkommen sind und eine Antwort bekommen.

Wie war die Freizeit mit unseren Konfirmanden?

Sehr gut. Ich habe gute Mitarbeiter erlebt, die mit Begeisterung bei der Sache sind und einen guten Draht zu den Konfis haben. Ich denke, dass sie ein Entscheidungsfaktor sind, dass der eine oder andere auch nach der Konfirmation der Gemeinde erhalten bleibt. Vielleicht sogar in ein paar Jahren selbst als Mitarbeiter zur Konfirmandenfreizeit fährt. Für mich war es ein guter Einstieg, um das Konzept der Freizeit kennenzulernen.

Haben Sie eine Lieblingsstelle in der Bibel?

Die Auseinandersetzung mit der Bergpredigt war mir schon immer wichtig. Ein wichtiges Bibelzitat ist Philipper 4, 13: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“ Das Zitat ist in den Kragen meines Talars gestickt.

Sind Sie in den sozialen Medien unterwegs?

Ja, bei Facebook. Toll, dass die Kirchengemeinde bei Facebook zu finden ist.

Ihr Lieblingsessen?

Mit italienischem Essen fährt man immer gut. Aber es gibt kaum etwas, was ich gar nicht mag.

Ihre Lieblingsmusik?

Meine Talk Talk Platten. (Verständnisloser Gesichtsausdruck bei der Interviewerin und ein Fragezeichen, das über ihrem Kopf schwebt). Pfarrer Braun klärt auf: Die haben in den achtziger Jahren Lieder wie „It's my Live“ und „Such a shame“ geschrieben. Meine Kraftwerkplatten. Achtziger Jahre überhaupt. Elektronisches.

Ihr Lieblingsfilm?

Das ist eine alte Verfilmung von „Der Prozess“ von Franz Kafka. Mit Anthony Perkins.

Ihr Lieblingsbuch?

Die Bibel ist ja wohl gesetzt (man lacht herzlich). „Stiller“ von Max Frisch.

Ihr Lieblingswitz?

Ich bin nicht gut darin, mir Witze zu merken. Ich höre aber gerne Witze.

Ihre Hobbys?

Sport: Joggen und Gymnastik. Die Fußballbundesliga (erste und zweite). Musik, meine Sammlung von LPs seit 15 Jahren. Italien. Faszination für Autos. Bewusste Stille und bewusstes Wahrnehmen.

Sie sind ein echter Fußballfan?

Ja, Mainz 05 ist mein Hauptverein. Aber als guter Pfälzer findet man natürlich auch den 1. FCK gut und hofft, dass es da bald mal wieder aufwärts geht.

Warum ist Glaube wichtig?

Ich finde es schön, dass es Menschen gibt, für die der Glaube wichtig ist und dass ich mich mit ihnen austauschen kann. Interessant ist aber auch, mich mit Menschen auszutauschen, die dem Glauben fernstehen. Man merkt manchmal, dass man sich an ähnlichen Dingen orientiert. Glaube hat Vorzüge: Hoffnung statt Ausweglosigkeit. Hoffnung, dass es nach dem Tod weitergeht. Ich finde, dass das Interesse an Religion nach wie vor sehr groß ist. Man spricht heute nur vielleicht anders darüber als früher. Man kann mit dem Thema Religion auch heute noch viele Menschen erreichen.

Haben Sie Glaubensvorbilder oder einen Lieblingstheologen?

Ja, den Predigtlehrer der neuen Zeit, Ernst Lange. Er hatte in den 50er/60er Jahren die Idee, die Predigt nicht nur an der Bibel auszurichten, sondern auch verständlich zu machen. Dass man den Hörer bedenkt und ihn in seiner Lebenswelt abholt.

Was freut Sie an der Kirche?

Dass sich von ihr immer noch viele Menschen begeistern lassen. Es werden weniger. Aber die, die sich für die Kirche begeistern, sind umso entschlossener. Was wünschen Sie der Kirche? Dass sie wach bleibt und offen für Neues ist. Im gut reformatorischen Sinn: Offen für Wandel. Dass sie weiterhin den Mut hat, gesellschaftlich Stellung zu beziehen. So wie bei ihrer deutlichen Position zum Flüchtlingsthema.

Wie starten Sie in den Tag?

Ein kleines Morgengebet und danach eine Tasse Kaffee. Manchmal ist es auch umgekehrt.

Tee oder Kaffee?

Kaffee.

Bier oder Wein?

Wein. Oder? Hm, ein kühles Bier ist auch nicht schlecht.

Pommes oder Pasta?

Pasta.

Meer oder Berge?

Meer.

Winter oder Sommer?

Eher Sommer. Ich mag aber auch den Winter.

Couch oder Sport?

Sport.

Sprechen Sie Pfälzisch?

Ich verstehe es. Es ist ja dem Rheinhessischen gar nicht so fern.

Ei jo, mache mer mol e Teschd. Was is'n e Erdbeerbärmche?

Ein Tortenboden mit Erdbeerbelag.

Test bestanden! Herzlich willkommen, Pfarrer Braun.

2017-04/interview_pfarrer_robin_braun.txt · Zuletzt geändert: 2017/03/30 von kirche-hp
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