Bericht aus Dourados

Dourados, den 15.6.2020

Liebe Freunde.

Viele von Euch fragen nach unserer Situation in Brasilien. Die Dinge stehen wirklich nicht gut. Die Infektionszahlen explodieren, die Todesrate steigt rasant. Unser Bundesstaat Mato Grosso do Sul (2,8 Millionen Einwohner) ist allerdings der mit den niedrigsten Zahlen: bis jetzt 3500 Infektionen und 34 Todesfälle. Leider ist unsere Stadt Dourados zum Hotspot des Bundesstaates geworden: In den letzten 7 Tagen hatten wir mindestens 250 neue Erkrankungen pro 100.000 Einwohner! Zwei grosse Schlachthöfe haben wesentlich dazu beigetragen. Dazu kommt noch die enorme Dunkelziffer. Leider bleiben nur wenige zu Hause, nicht einmal bei den positiv Getesteten ist das überall der Fall!! Die Geschäfte sind geöffnet. Wenn Ihr dies lest, sind möglicherweise wieder strengere Einschränkungen in Kraft, weil die Überlastung des Gesundheitssystems abzusehen ist. Dourados ist die einzige Stadt mit Intensivbetten in einer Makro-Region von 33 Landkreisen.

Es gibt auch eine gute Nachricht: Zwar grassiert Corona schon seit Wochen in den zwei Indianerreservaten (17.000 Einwohner) von Dourados mit insgesamt 100 Erkrankungen. Doch es gibt kaum schwere Verläufe und erst einen Todesfall. Unser Sohn Jonas arbeitet für das Krankenhaus der Missão Caiuá in Dourados. Dort gibt es nur wenig Internierte und viel freie Kapazität. Es wird vermutet, dass die Indianerstämme in unserem Gebiet (Guarani und Caiuá) eine gewisse Resistenz haben, so dass die befürchtete Katastrophe, wie sie im Amazonasgebiet passiert, hier ausgeblieben ist.

Wie geht es uns persönlich? Klaus und ich gehören zur Risikogruppe und bleiben deshalb - soweit es irgend geht - zu Hause. Das Freizeitheim ist geschlossen, die Hausbesuche sind unterbrochen, Metanoia arbeitet digital. Klaus gibt einigen Metanoia-Mitstreitern, die hier auf dem Missionszentrum wohnen, einen Kurs in integraler Mission. Die Kindertagesstätte ist geschlossen. Das Team bereitet aber jeden Freitag ein Mittagessen zum Mitnehmen vor. Unter immer schärferen Sicherheitsvorkehrungen holen es die Kinder oder auch Mütter um 11:30h ab (Foto). Gleichzeitig nehmen die Kinder auch Aufgaben mit nach Hause und bringen sie beim nächsten Mal zurück.

Auch die Schwangeren kontaktieren wir digital und sie holen die Babywäsche an der Kindertagesstätte ab. Eine Bibel stecken wir schon vorher ins Wäschepaket. Letztes Mal gab eine Schwangere vorher an, sie habe Coronasymptome, aber es sei schon besser geworden und sie wolle unbedingt kommen! Ich musste sie mehrmals per WhatsApp ermahnen, zu Hause zu bleiben und die Babykleidung erst in 14 Tagen abzuholen!! Sicherheitshalber wurde die andere Schwangere zu einer anderen Uhrzeit bestellt. Aber die Erkrankte kam dann doch (noch) nicht. Elisangela ist für die Schwangeren zuständig, ich selbst helfe nur bei der Organisation im Hintergrund, nicht direkt bei der Abgabe.

So ist diese Zeit für uns eine Schule des Gottvertrauens, des Loslassens von Plänen, der Dankbarkeit für kleine Dinge und der Anpassungsfähigkeit. Aber wem schreiben wir das?! Alle gehen wir durch diese Schule. Im Gebet sind wir mit Euch verbunden und grüssen Euch herzlich aus Dourados

Eure Dorothea und Klaus Simon

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2020-06/bericht_aus_dourados.txt · Zuletzt geändert: 2020/06/25 von kirche-hp
Wir sind unterwegs mit Jesus Christus und zu ihm hin.
Wir wollen Gott in unserer Mitte feiern.
Wir wollen Jesus und unserem Nächsten dienen.
Wir wollen durch den Heiligen Geist das Evangelium weitersagen.